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Bühne 66
Die Bühne 66 feiert 2016 ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 1967 realisiert sie in ungebrochener Tradition jährlich mindestens eine Theaterproduktion im Umfeld von Schwyz. Von Beginn an hat sie sich der Inszenierung literarischer Theatertexte aus dem In- und Ausland verschrieben, die in der Regel selber in die Schwyzer Mundart übersetzt werden. Für ihre Verdienste wurde sie unter anderem mit Anerkennungspreisen des Kantons Schwyz und der Albert Koechlin Stiftung ausgezeichnet.

Stoff
"Am Franz ä Chranz" beschäftigt sich mit der aussergewöhnlichen Erfolgsgeschichte der "Schwyz-Brunnen-Musik" (1861 bis ca. 1870) unter Leitung der Brüder Franz und Dominik Tschümperlin. Von Beruf Bauern, erwarben sich beide herausragende Verdienste in der für den Urkanton Schwyz schwierigen Zeit nach dem verlorenen Sonderbundskrieg. Das interdisziplinär angelegte Projekt geht der Leidenschaft der Tschümperlins und ihrer Mitstreiter nach. Es präsentiert sie und ihre Zeitepoche als vergilbtes Gemälde, ausgestellt in einem modernen Rahmen und hinter einem Deckglas, in dem sich schattenhaft der Betrachter spiegelt.

Thematik
Unsere westliche Wohlstandsgesellschaft ist – überspitzt gesagt - darauf angelegt, Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen, noch bevor uns diese bewusst werden. Streben wir überhaupt noch nach etwas, was sich nicht mit dem schnellen Griff ins Warengestell, dem Sprung ins Auto oder dem Click auf den Okay-Button beschaffen lässt? Könnte es sein, dass wir ob der zeitlichen Beschleunigung und der räumlichen Entgrenzung das Streben nach "Wohlergehen" auf die Mehrung von "Wohlstand" verengt hätten? Dass uns damit die Sehnsucht abhanden gekommen und „Leidenschaft“ aus unserem Vokabular zu streichen wäre?
„Am Franz ä Chranz“ möchte solche Fragen mit dem Sprung in eine Vergangenheit aufwerfen, wo die akute Not, der enge Bewegungsraum und die langsam fliessende Zeit ein fruchtbarer Nährboden für das Saatgut "Sehnsucht" war. Das Spannende am Wunschtraum des Enthusiasten Franz Tschümperlins liegt – gerade aus Sicht unserer hoch individualisierten Gesellschaft - nachgerade darin, dass er sich nur im Kollektiv erfüllen kann: Eine Harmoniemusik muss ja zwingend als Klangkörper und als Sozialverbund harmonieren.

Inszenierung
Nach den erfolgreichen Produktionen „Müller13“ (2013, Flüelen) und „Föhnsturm“ (2014, Ibach) arbeitet die Bühne 66 zum dritten Mal mit dem Urner Autor und Musikwissenschaftler Franz-Xaver Nager zusammen. Seit einem Vierteljahrhundert wird seine Theaterarbeit geprägt durch den Brückenschlag zwischen hochstehender Volkskultur und professionellem Kunstschaffen. Im neuen Projekt „Am Franz ä Chranz“ sollen insbesondere die mit „Wysel“ (2012/13, Theater Uri, Schauspielhaus Zürich u.a.) gewonnen Erfahrungen aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Verbindung tradierter und neuer Ausdrucksformen zu einem innovativen Gesamtkunstwerk (Theater, Musik, Bild, Video), das den historischen Stoff in einem Dutzend Szenen als klingendes Bilderbuch in zeitgenössischer Form präsentiert.